Das Rendezvous der Freunde

 

Anliegen der Arbeit „Das Rendezvous der Freunde“ war, ein Selbstbildnis als Künstlerin zu erstellen und mich damit in eine lange Tradition künstlerischer Produktion einzureihen und gleichzeitig das Genre in zeitgenössischer Form zu transformieren. Ein besonderes Augenmerk bei meiner Beschäftigung mit dem Selbstportrait galt dem „blinden Fleck“ des eigenen Blickes und damit dem Umstand, dass der Maler gezwungen ist, sein eigenes Sehen quasi blind zu betrachten. Diese Tatsache führte mich zu der Entscheidung, die vermittelnde Instanz des Spiegels durch den Blick meiner künstlerischen Wegbegleiter zu ersetzen und damit „das Leben im toten Winkel unserer selbst“ zu unterlaufen. Als Abschlussarbeit an der Kunsthochschule Kassel entstanden stellt „Das Rendezvous der Freunde“ einen Endpunkt meines Studiums im Sinne eines Schüler-Lehrerverhältnisses dar.

Die Arbeit besteht aus vier Teilen: Im ersten Teil „Ein Bild von mir“ bat ich meine Künstlerkollegen, sich ein „Bild“ von mir zu machen und dies im Medium der Zeichnung zu materialisieren. In den Zeichnungen schreibt sich der Blick meiner Freunde auf mich ebenso wie ihre zeichnerische Handschrift ein.

Der zweite Teil der Ausstellung, betitelt mit „Ein Bild für mich“, bezieht sich vornehmlich auf den Charakter einer Person. Ich bat befreundete Maler, ein Bild im Sinne eines Geschenkes zu erstellen. Durch ein Geschenk wird die Beziehung zwischen Schenker und Beschenktem thematisiert, und andererseits bezieht sich das Geschenk auf die Wesensart der beschenkten Person.

Den dritten Teil der Arbeit nannte ich „Das Kabinett des Sammlers“. Im Gegensatz zu meiner Rolle als Auftraggeber in den ersten beiden Teilen, in denen ich alle Ergebnisse der in Auftrag gegebenen Arbeiten ohne weitere Auswahl zeigte, änderte sich mein Vorgehen in der Rolle des Sammlers. Für diesen Teil wählte ich unterschiedliche Arbeiten von Künstlerkollegen aus. Diese Werke repräsentierten Aspekte meines eigenen künstlerischen Anliegens, und darüber hinaus stand ich mit all ihren Produzenten während meiner Studienzeit in engem Dialog. Durch die Arbeiten dieser Kollegen stellte ich meine „Innenperspektive“ dar. Für meine Sammlung erstellte ich einen kleinen Ausstellungsraum innerhalb des Ausstellungsraumes.

Durch die Wechselbeziehung der drei Teile „Ein Bild von mir“, „Ein Bild für mich“ und das „Kabinett des Sammlers“, die ihre Schwerpunkte auf Physiognomie, Charakter und Innenperspektive richteten, entstand nun ein collagenhaftes, bestimmt auch widersprüchliches Bild meiner selbst.

Der vierte Teil meiner Arbeit „Das Festessen“, betont den kommunikativen Aspekt. In der Mensa der Kunsthochschule – Ort der alltäglichen Diskussionen – war ein festlich gedeckter Tisch mit Hilfe von roten Kordeln aus seiner Umgebung herausgehoben – wie ein erhöhter Ausschnitt von Wirklichkeit. Zu den regulären Öffnungszeiten der Mensa hatte ich meine Freunde, deren Arbeiten ich in dem Kabinett zeigte, und meine Professoren, die ich als Förderer empfand, zu einem mehrgängigen Menü eingeladen. Ein Koch bediente uns, während um uns herum, durch den „normalen“ Mensabetrieb bedingt, die Mensanutzer, die gleichzeitig zu Betrachtern wurden, wechselten.

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