Außerirdisches & Coverversionen



In der Multi-Media-Installation „Außerirdisches&Coverversionen“ trifft man auf eine detailreiche Laborsituation, die aus der Werkstatt eines Hobbybastlers zu kommen scheint. Der schlauchartige Raum ist in diffuses, fast klaustrophobisch anmutendes Licht getaucht. Eine dort dauerhaft installierte Kegelbahn wurde zur 3. Werkleitz Biennale von Michaela Schweiger auf halber Strecke mit einer etwa neun Meter langen Holzkonstruktion überbaut: eine Art Insel, die man betreten kann, um dort diverse Gerätschaften, Aufbauten und Objekte zu inspizieren und zu benutzen. Was es damit auf sich hat, erschließt sich durch das auf 5 Monitoren präsentierte Ensemble von Videoportraits, das in Form eines dialogischen Theaterstückes eine Geschichte erzählt: Im Vorfeld des Projektes hatte die Künstlerin Interviews mit Kindern und Jugendlichen zu ihren Vorstellungen über „Zukunft“ geführt. Die Antworten wurden dann zu Scripts montiert und von Erwachsenen nachgesprochen. Die Visionen der Kids kreisten immer wieder stark um bestimmte Maschinen, die dem Menschen künftig sicher zur Verfügung stünden, und diese hat Michaela Schweiger in Objekte umgesetzt: eine Zeitmaschine, eine Wunschmaschine, eine Schwerkraft-Aufhebemaschine etc.

Ausstellungsbesucher werden nun diese sinnlich-visuellen Materialisierungen mit den (durch Erwachsenenmund im Generationensprung gefilterten und transformierten) sprachlichen Entwürfen der Kinder vergleichen. Somit ergibt sich im Ausprobieren und Anschauen von Schweigers Installation ein komplexes Geflecht von Projektion, Kopie, Recycling und Komprimierung von Zukunftsvorstellungen. Die künstlerischen Setzungen verstecken sich hinter multiplen Transformationen: Projektion und Darstellung, Idee und Produkt werden dabei genauso ununterscheidbar wie Werk und Kontext oder Kunst und Funktion.
(Holger Kube Ventura, zur 3. Werkleitz Biennale Sub Fiction)


Holger Kube Ventura zu der Installation "Außerirdisches & Coverversionen" im September1998 / 3. Werkleitz Biennale "Sub Fiction".