a mapmaker`s dream



Fra Mauro, ein Mönch, der nahezu sein ganzes Leben hinter Klostermauern verbrachte, verfolgte das Ziel, eine Karte der Welt – seine mappa mundi – zu entwerfen. Es waren Kaufleute, Missionare und Abenteurer, die ihn nach ihren Reisen in seiner stillen Zelle aufsuchten, um ihn mit Informationen zu beliefern.

Ich setze das Bild des Mönches, der im 16. Jahrhundert lebte, mit der Situation, zu Hause am Computer zu sitzen und mit der Welt Kontakt aufzunehmen, gleich. Ich selbst trete an die Stelle des Mönches. Durch Gespräche in chats und virtuellen Städten versuche ich, Informationen aus der ganzen Welt zu erhalten. Für die Installation wird ein kleiner, hölzerner Raum erstellt. Auf Wände, Decke und Fußboden dieser „Zelle“ ist ein Globus projiziert. Von diesem, die Weltvorstellung prägenden Umriss ausgehend, werden alle „bereisten“ Länder farbig angelegt. Aus den Informationen, die ich durch die Gespräche in der digitalen Welt erhalte, wird ein analoges Weltbild in Form von Zeichnungen entwickelt. Die noch nicht „betretenen“ Gebiete bleiben weiße Flecken.

Die Erkundungen gründen sich auf das Sammeln persönlicher Erfahrungen und Einschätzungen. Bei der Umsetzung meiner inneren Bilder werden Kenntnis bzw. Unkenntnis anderer Länder, aber auch die Quellen meiner Kenntnisse und damit meine Prägung deutlich. Meine Zugänge und die zeichnerischen Übersetzungen meiner Gespräche stehen in Abhängigkeit von meinem technischen Wissen, meiner Zeit und meinen Sprachkenntnissen. Das daraus resultierende „Weltbild“ erfährt durch jeden Kontakt eine neue Perspektive. Somit ist es einem fortlaufenden Wandel unterworfen. Veränderungen der Informationen oder Irrtümer des Kartenmachers sind in der Darstellung sichtbar.

In der „Zelle“ befindet sich ein Computer, welcher ein Archiv sämtlicher Gespräche beinhaltet. Das Archiv befindet sich, wie das ganze Projekt, in einem ständigen Wandel. In den Gesprächen und deren Umsetzung in ein „Weltbild“ wird deutlich, dass das Anderswo ein Spiegel im Negativ ist. Ich als Reisende erkenne das Bekannte, das meinen Blick bestimmt.

Außerhalb der Zelle befindet sich ein Videomonitor. Gespräche, die aus der virtuellen Welt stammen, werden von Schauspielern nachgesprochen. Die Drehorte sind meist öffentliche Räume. Somit werden in den Videos Dialoge aus der virtuellen Welt in die analoge Welt versetzt. Zwischen den Bildern und den Dialogen entstehen subtile Brüche, die auf die Veränderung unserer Kommunikationsformen durch die digitalen Medien verweisen. Die Videos „chats“ sind wie Schlaglichter auf Erfahrungen meiner Kommunikation in der virtuellen Welt gerichtet.

„a mapmaker’s dream“ ist ein Projekt ohne definiertes Ende. Das Anfang 2000 begonnene Projekt wird kontinuierlich fortgesetzt. An verschiedenen Ausstellungsorten ist der jeweilige Stand der Dinge zu sehen.